Auf Trüffeljagd im Piemont – eine wahre Geschichte

Trüffeljagd

“Wer kein Schwein hat, muss die Trüffel selber suchen.”

 

Heute bei Kochtopf & Feder: mein schönstes Ferienerlebnis. Da ich nur mein Handy im Urlaub dabei hatte und nicht die Kamera, sind die Fotos auch ganz im “urlaubsstyle”. Und ich war teilweise  so “on fire”, dass ich auch einfach oft vergessen habe, Fotos zu machen. Aber ich hoffe, der Beitrag gefällt euch trotzdem.

Wer mich kennt, weiß, dass ich absolut trüffelsüchtig bin. Ich liebe diesen Geschmack, den man so gar nicht richtig beschreiben kann, weil er eben einfach einzigartig ist. Mit einem Teller Pasta mit gehobeltem Trüffel kann man mich wirklich so richtig glücklich machen. Seit ich vor Kurzem auch endlich mal einen weißen Trüffel probiert habe, war mir klar: einmal nach Alba zur Trüffelsaison! Das wär’s. In diesem Herbst war es dann endlich soweit und ich muss sagen: Das wird nicht meine letzte Reise ins Piemont gewesen sein.

Über unsere “Herbergsmutter”, also unsere Ferienwohnungsvermieterin Roberta sind wir an eine sehr individuelle Trüffeljagd gekommen. Nur mein liebster “Mitesser”, zwei Trüffeljäger samt Übersetzer,  zwei schnuckelige Trüffelhunde Torre und Tina und ich. Man kann die Jagden auch regulär buchen, aber die sind wirklich wahnsinnig teuer und oft werden den Touristen auch mal Trüffel untergejubelt. Wir wollten aber eine echte Jagd. Da besteht natürlich auch die Gefahr, dass man gar nichts findet. Unser Übersetzer, Joseph, kommt ursprünglich aus London, lebt jetzt aber schon seit siebzehn Jahren in einem eigens renovierten Bauernhaus im Piemont. Er ist mit 37 ausgestiegen. Beneidenswert. Sein Italienisch ist perfekt und es macht großen Spaß mit ihm über Gott und die Welt zu plaudern. Auch mit dem Wetter haben wir Glück. Die Sonne strahlt und die Nussbäumchenhaine leuchten in den schönsten Herbstfarben.

Treffpunkt war das Dörfchen Castiglionnoe Tinella. Die Wälder rings herum sind ideale Trüffelplätze und heiß begehrt. Da kommt es schon einmal zu Revierstreitigkeiten zwischen den Suchern, wie uns Pepe erzählt hat. Vor ein paar Jahren wurden sogar schon einmal Hunde vergiftet. Die Jagd um das weiße Gold ist also manchmal auch nicht ganz ungefährlich. Der erste Trüffelplatz ist daher auch schon bereits “besetzt”. Nicht nur durch andere Trüffeljäger, sondern auch durch eine Horde Wildschweinjäger. Das ist Pepe und Marco dann doch zu gefährlich und wir fahren weiter.

Wir halten an einem Feld neben einem kleinen Wäldchen und endlich dürfen wir auch einen Blick auf die Hauptakteure werfen. Die Trüffelhunde Torre und Tina. Torre ist 2 Jahre alt und ein “Deutsch Kurzhaar”, Tina ist vier Jahre alt und ein “Lagotto Romagnolo”, ein italienischer Wasserhund. Die beiden sind schon ganz aufgeregt und laufen wie zwei kleine Staubsauger, mit der Nase am Boden vor uns her.

 

Trüffel

Trüffel

 

Während die beiden vor uns hertollen, hat mir Pepe viel Wissenswertes über die Trüffeljagd und über Trüffel erzählt:

 

Wie hast Du Torre zum Trüffelhund ausgebildet? Ich habe davon gehört, dass oft die Welpen mit Trüffelöl an den Zitzen der Hundemama oder in der Milch auf Trüffel trainiert werden. Machst Du das auch so?

Nein. Davon halte ich nichts. Ich finde, das ist wie bei den Menschen. Wenn einem etwas besonders viel Spaß macht, kann man es auch am besten. Torre war der Beste in seinem Wurf und er hat einfach Spaß und Lust daran die Trüffel aufzuspüren und er liebt den Geschmack.

 

Warum nutzt ihr keine Schweine zur Trüffeljagd? Das ist doch eigentlich das Erste, was einem bei einer Trüffeljagd so in den Sinn kommt.

Trüffelschweine sind im Piemont verboten. Sie zerstören bei der Suche einfach zu viel Wurzelwerk und beschädigen die Bäume. Ein Hund ist hier einfach viel vorsichtiger. In der Toskana werden noch Trüffelschweine genutzt. Hier nicht mehr.

 

Gibt es bestimmte Hunderassen, die sich besonders zur Trüffeljagd eignen?

Im Prinzip kann jeder Hund zum Trüffelhund ausgebildet werden. Wichtig ist nur eine gute Nase. Oft werden Setter oder Wasserhunde bei der Trüffeljagd eingesetzt. Ich habe aber auch schon Schäferhunde oder Cocker Spaniel gesehen. Wichtig ist, dass sie Spaß an der Sache haben und ab einem gewissen Alter lässt dann leider auch der Geruchssinn nach. Das kann Hund nicht ewig machen.

 

Ist 2019 ein gutes Trüffeljahr?

Es geht so. Der Sommer war ziemlich heiß und das gefällt den Trüffeln gar nicht. So ist die Ausbeute nicht ganz so gut wie sonst. Aber auch generell ist es so, dass der Trüffel immer seltener wird, die Nachfrage aber immer weiter steigt. Ich kann mir oft gar nicht erklären, woher die Massen an Trüffeln auf dem Markt kommen. Wobei hier auch oft weiße Trüffel aus Istrien untergemischt werden, um überhaupt auf die Menge zu kommen. Im Moment zahlt man ungefähr 8.000 Euro für ein Kilo weißen Albatrüffel. Und es nimmt kein Ende. Ein wenig haben wir auch Angst vor der Zukunft und die Sorge, dass der weiße Trüffel irgendwann ganz verschwindet.

 

Wo findet man weiße Trüffel am häufigsten?

Der Trüffel wächst immer in Symbiose im Wurzelwerk bestimmter Bäume und Sträucher. Meistens sind das Eichen und Eschen aber auch mal unter einem Holunderstrauch. Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass der Trüffel im Folgejahr wieder an der gleichen Stelle wächst, da er sich durch Sporen verbreitet. Außerdem wächst meist immer nur ein einziger weißer Trüffel an einer Stelle. Das macht sie so selten und auch heute kann ich Dir keine Garantie geben, dass wir überhaupt einen Trüffel finden.

 

Was war der größte weiße Trüffel, den Du hier je gefunden hast?

Das ist schon ein paar Jahre her. Der Trüffel hatte 600 g und das war leider gar nicht so gut, wie es sich im ersten Moment anhört. Die meisten Käufer suchen  eher Trüffel bis max. 100 g. Der ließ sich also gar nicht so einfach veräußern und letztendlich wurde das Prachtstück scheibchenweise auf dem Markt verkauft. Ein Jammer.

 

Woran erkennt man denn als Laie einen guten weißen Albatrüffel? Am Geruch?

Die Qualität am Geruch zu erkennen ist leider gar nicht so einfach. Daher ist das Geschnüffele auf den Messen unter den potenziellen Käufern oft nur Show. Um das Parfum zu intensivieren, werden manchmal auch weniger gute Trüffel mit hochwertigen Knollen gemischt, damit sie einen stärkeren Geruch annehmen. Die Farbe ist dafür ein gutes Kriterium. Ein Albatrüffel ist eher eierschalenfarben bzw. wie ein sehr heller Milchkaffee. Im Querschnitt haben Trüffel aus Alba außerdem feinere Verästelungen in den Adern als beispielsweise Trüffel aus Istrien. Ältere Trüffel verlieren ihren Geruch sehr schnell und bekommen rötliche Flecken im “Fruchtfleisch”. Das kann man nur leider beim Kauf und von außen nicht sehen.

 

Wie bewahrt man den Trüffel am besten auf?

In einem geschlossenen Plastikbehälter, eingewickelt in ein Papierküchentuch, welches täglich gewechselt werden sollte. Das ist meiner Meinung nach immer noch die beste Methode. Für den Versand werden Trüffel außerdem oft vakumiert. Auch das kann man versuchen. Am besten ist es aber, den Trüffel einfach so frisch wie möglich zu genießen.

 

Was ist Dein Lieblingsgericht mit weißem Trüffel?

Pepe lacht: Gelato!

 

Mit Trüffel?

Si.

Schließlich werden Torre und Tina fündig und neben zwei bereits wurmstichigen schwarzen Trüffeln, die sie selbst verzehren dürfen, findet Torre einen kleinen weißen Trüffel, den ich dann abends selig mit einem Teller Pasta verzehre. Das Video findet ihr auf meinem Instakanal. Auf der Trüffelmesse in Alba habe ich aber auch noch welche gekauft. Ein Riesenspektakel.

Trüffel

Trüffel

Und hier meine Ausbeute. Ihr seht: es gab nicht nur Trüffel auf der Messe.

Trüffel

 

Ich muss sagen. Das Piemont ist auf jeden Fall eine Reise wert. Und die Trüffeljagd macht außerdem richtig Laune. É stato fantastico.

Eure Kiki.

 

 

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