Ceviche vom Heilbutt mit Estragonmayo an Edamame – Auster und Klinge

Ceviche

 „Die Welt wird nicht bewegt von ein paar Mutigen, sondern der Masse an Feiglingen. Die Leute wollen keine echte Gerechtigkeit, jeder ist in einer Hinsicht im Vorteil gegenüber einem anderen, das bedeutet Sicherheit vor dem anderen. Wären alle gleich, würde keiner den anderen fürchten, und alle hätten alle zu fürchten.“

 

Das Cover von Auster und Klinge, von Lilian Loke aus dem C. H. Beck Verlag, ist tatsächlich eines der Wenigen, welches mir im letzten Herbst so richtig ins Auge gesprungen ist. Und das nicht nur wegen der poppigen Farbgebung. Eine Mischung aus Warhol und anatomischer Studie. Sehr auffällig aber auch sehr ästhetisch.

Das beschreibt auch, finde ich, diesen Roman ziemlich gut: eine Geschichte voller Ästhetik und Verletzlichkeit. Oh je, oh je. Jetzt höre ich mich an wie ein wild gewordener Katalogtext. Soll nicht wieder vorkommen. Berufskrankheit.

Der gelernte Hotelfachmann Victor hat sich einmal zu viel von dem Kribbeln, das jeder Einbruch in ihm hervorruft, verführen lassen und landet im Knast. Nach dreizehn Monaten wird er entlassen und für ihn ist klar: keine Brüche mehr und ein seriöses Leben mit einem ehrlichen Job. Am Liebsten hätte er endlich sein eigenes Restaurant und am Allerliebsten hätte er gerne seine Familie zurück. Seine Frau Sina mitsamt Töchterchen Kim war nämlich alles andere als „amused“ als Victor sich als notorischer Lügner und Einbrecher entpuppt hat. Doch der Neuanfang ist alles andere als leicht.

Bei seinem Job als Pizzalieferant trifft er auf Georg, der gerade mal wieder seinen Job verloren hat, da er die Ungerechtigkeit eines Chefs gegenüber seiner Angestellten nicht ertragen konnte. Georg ist außerdem Künstler und möchte mit seinen doch recht provokanten Aktionen aufrütteln und auf Missstände aufmerksam machen.

 

„Kunst ist nicht da, um den Alltag zu dekorieren, Kunst muss ein Messer sein, das du reichst, mit der Klinge voran, die Leute greifen zu, weil es so magisch funkelt, obwohl es ihnen tief ins Fleisch schneidet. Diejenigen, die nicht loslassen und ich verfluchen, haben etwas verstanden.“

 

Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit. Georg ist nämlich auch der Sprössling und Erbe eines milliardenschweren Schlachtkonzerns und kommt mit der Unternehmensführung und der Profitgier seiner Familie und Geschwistern so überhaupt nicht klar und er ist frustriert, dass seine Aktionen auf so wenig Resonanz stoßen. Schließlich treffen Georg und Viktor eine Abmachung: Georg finanziert Viktors Nobelrestaurant und ihm Gegenzug bringt Georg ihm bei in Häuser einzusteigen und Autos zu knacken, um die Leute mit seinen Aktionen direkt ins Herz zu treffen und endlich die Aufmerksamkeit zu erhalten, die er seiner Meinung nach braucht, um etwas zu bewegen. Zunächst scheint der Plan aufzugehen, doch langsam aber sicher gerät das Ganze außer Kontrolle. Wie weit darf man gehen, um seine moralischen Prinzipien und Vorstellungen durchzusetzen?

Ich habe mir einige Kritiken vorab durchgelesen und „Auster und Klinge“ wird oft als Thriller beschrieben, was ich so gar nicht nachvollziehen kann. Wer also rasante Action und Crime erwartet, wird eher enttäuscht werden. Wer aber auf hintergründige Gesellschaftsromane mit einem leicht schwarzhumorigen Ton steht, wird begeistert sein. Genau wie ich.

Natürlich geht es auch um Kulinarik und Genuss. Victor ist generell kein Kostverächter. Auf der Speisekarte des  ÉLYSÉE, Victors Restaurant, steht so allerhand Feines, sodass mir die Entscheidung wirklich schwergefallen ist. Ich habe mich letztlich für eine Ceviche entschieden, die Victor und sein krimineller Lehrmeister Fred in Las Vegas genießen. Dieses peruanische Nationalgericht wollte ich schon immer einmal ausprobieren. Verfeinert habe ich das Ganze mit Estragonmayonnaise und Edamame – eine geradezu paradiesische Vorspeise. Da muss ich mich doch auch einmal selbst loben.

 

Ceviche

Ceviche vom Heilbutt mit Estragonmayo an Edamame – Auster und Klinge

2 Personen

Zutaten

  • 200 g Schwarzer Heilbutt
  • 100 ml Limettensaft
  • 50 ml Bergamottesaft (falls erhältlich, sonst Zitrone)
  • Etwas Bergamotteschalenabrieb.
  • 1 TL Zucker
  • Grobes Meersalz
  • Schwarzer Pfeffer
  • Für die Estragonmayonnaise
  • 1 Eigelb
  • 175 ml bestes Olivenöl
  • 30 g Estragon, gehackt
  • Für die Edamame
  • 100 g TK-Edamame
  • Meersalz
  • Frühlingszwiebeln
  • Koriandergrün und rote Chili zum Dekorieren (bei Bedarf)

Zubereitung

  • Das Aufwendigste an diesem Gericht ist die Mayo. Eigelb und Olivenöl sollten Zimmertemperatur haben, bevor sie verarbeitet werden. Eigelb in eine Schüssel geben und entweder mit dem Schneebesen oder mit der Küchenmaschine schlagen. Da das Ganze ziemlich lange dauern kann, empfehle ich die Küchenmaschine. Nun das Öl tröpfchenweise hinzugeben und immer weiterschlagen. Wenn die Hälfte des Öls in der Masse ist, den Rest schneller zugeben. Wenn sie so dick wird, dass sie nicht zu schlagen ist, ein wenig Wasser oder Zitronensaft am Ende zugeben. Wichtig ist, dass es am Anfang wirklich nur Tröpfchen sind, sonst gerinnt das Ganze. So wie bei mir dieses Mal. Aber auch dann müsst ihr nicht verzagen. Sie ist noch zu retten. Eine neue Schüssel holen. 1/2 TL sehr heißes Wasser zugeben und mit demselben Schneebesen anfangen zu rühren als hänge das Leben davon ab. Dann wieder langsam die "alte" Masse unter hektischem Rühren tröpfchenweise zugeben.
  • Am Ende den gehackten Estragon unterrühren, abschmecken und bis zum Servieren in den Kühlschrank stellen.
  • Für die Ceviche das Fischfilet in dünne Scheiben schneiden und auf eine Platte legen. Limettensaft und Bergamottesaft (Zitronensaft) mischen und Salz und Zucker unterrühren und den Bergamotteabrieb zugeben. Bergamotte ist nicht so einfach zu kriegen, gibt der Marinade aber einen ganz besonderen Geschmack. Sie ist sehr sauer und hat eine leicht bittere Note. Pur ist sie kaum zu genießen aber gemischt und als Marinade ist sie super.
  • Den Fisch für 10 Minuten ziehen lassen. Durch die Säure wird der Fisch "gegart". Die Proteine im Fisch gerinnen und verbinden sich zu einem dichten Netz. Der Fisch wird bissfest.
  • Die Edamame für 3 Minuten in kochendem Salzwasser blanchieren und auslösen. Mit der Estragonmayonnaise anrichten.
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Ceviche

Ceviche

 

Haut rein! Und immer schön sauber bleiben.

Eure Kiki.

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