Mangold auf Polentatalern – Amanda herzlos

Mangold

“Ich will die Trennung so unversehrt wie möglich überstehen, dafür kann ich wehmütige Rückblicke nicht brauchen. Ich muss die Sehnsucht loswerden, anstatt ihr immer neue Nahrung zu geben.”

 

Heute habe ich mir mal wieder einen “Klassiker” vorgenommen, den ich vor Jahren einmal gelesen habe: Amanda herzlos” von Jurek Becker aus dem Suhrkamp Verlag. Damals habe ihn unter “tolles Buch” abgespeichert und in mein Bücherregal einziehen lassen (da darf nicht jedes Buch hin). Vor Kurzem ist es mir wieder in die Hände gefallen und habe es jetzt wieder neu entdeckt. Für einen Klassiker ist es fast noch zu jung, es ist erst 1992 erschienen. Trotzdem ordne ich es für mich dort ein.

Jurek Becker hat einfach eine tolle Art mit Sprache umzugehen. Den schon etwas betagteren Lesern (wie ich)  ist er durch “Liebling Kreuzberg” bekannt. Jurek Becker hat hier die Drehbücher geschrieben und war später auch ein guter Freund von Manfred Krug. Und hier auch noch ein Gratisgeschenktipp für Jurek-Becker-Fans: “Am Strand von Bochum ist allerhand los” aus dem Nachlass des Schriftstellers. Gefüllt mit ausgewählten Postkarten, die er an seine Liebsten geschrieben hat. Zum Niederknien. Das bespreche ich vielleicht noch einmal separat.

Zu Amanda. Amanda herzlos spielt in der späten Zeit der DDR. Ja, das Land hinter der Mauer. Damals. Vor über 30 Jahren. Aber darum geht es nur am Rande. Wobei es interessant ist, auch hier etwas über den Alltag damals mitzubekommen.

Amanda herzlos ist eine Liebesgeschichte. In gewisser Weise. Erzählt wird sie aus drei Perspektiven. Aus der Sicht ihres Ehemanns, eines SED-Sportreporters, der seinem Scheidungsanwalt die Herzlosigkeit dieser Frau darstellen möchte und dabei doch ab und zu ins Schwärmen gerät. Und sei es vor der besten Freundin Amandas, mit der er irgendwann im Bett landet und die mit ihm gemeinsam das “Problem” erörtert. Hier gibt es einen wahnsinnig witzigen Dialog, der natürlich auch auf Frauen umzuschreiben geht aber in Zeiten des Onlinedatings und des Singletums großartige Wahrheiten enthält.

 

“Und wie sind Personen männlichen Geschlechts beschaffen, die keine Männer sind? Fehlt ihnen ein Körperteil?” “Anatomisch gesehen sind sie komplett. Es ist eher ihre geistige und seelische Beschaffenheit, die sie unerträglich macht. Beim Kennenlernen sehen sie dich nicht begehrlich an, sie stieren. Sie können nicht draufgängerisch sein, nur grob. Anstatt zu essen, mampfen sie, anstatt zu lächeln, grinsen sie. Sie sind zu dick, selbst die Mageren. Sie sehen immer verschwitzt und überangestrengt aus. Sie halten Rücksichtslosigkeit für die männlichste aller Eigenschaften und tun dir weh, sobald sie dich berühren, und sind noch stolz darauf. Am schlimmsten wird es, wenn sie den Mund aufmachen …”

 

Das geht noch eine Weile so weiter. Eine großartige Stelle finde ich. Und wohlgemerkt von einem Mann verfasst.Der zweite Teil ist aus der Sicht ihres Liebhabers Ludwig Hetmann geschrieben, der seine Beziehung zu Amanda in einem Roman verarbeiten will, ihn aber gedanklich neu rekonstruieren muss, da Amandas Sohn – der in seinem Roman ein Mädchen ist – das ursprüngliche Werk von der Diskette (!) gelöscht hat. Sei es aus Versehen oder im Auftrag von Amanda. Da ist er sich noch nicht so sicher. Im dritten Teil kommt dann der Stanislaus Doll zu Wort, einem NDR-Korrespondent aus dem Westen der einzige der drei Herren, der noch mit Amanda zusammen ist und eher am Anfang einer Beziehung zu ihr steht.

 

Mangold

 

Die Einzige die nie zu Wort kommt, ist Amanda. Und genau das macht sie so vielschichtig und interessant. Sowohl für den Leser als auch für die drei Herren. Amanda arbeitet unter anderem an einem Roman, den sie in den Westen verkaufen möchte. Und hier taucht auch schon die Ideengeberin für mein heutiges Rezept auf: ihre Kontaktperson im Westen, Katharina Mangold.

 

“Die Kontaktperson, sagte er, sei eine gewissen Katharina Mangold, die man von einschlägigen, leider nicht immer erfolglosen Versuchen, unsere Literaten in die westliche Kulturwelt hinüberzuziehen, bereits kenne.”

 

So einfach kann es manchmal sein. Als mir der Name unter die Augen kam, habe ich sofort Rezepte gesucht und eine wunderbare Mangoldpolenta gefunden. Passend zur Jahreszeit, sowohl als Vorspeise als auch vegetarisches Hauptgericht geeignet. Ich habe sogar nach einem Ostrezept gesucht, mich aber dann doch für die italienische Variante entschieden. Im Osten war Mangold dann doch eher nur eine Beilage.

Mangold auf Polentatalern

Mangold auf Polentatalern

Zutaten

  • 1 rote Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 TL Chiliflocken (hier einfach variieren, je nach dem wie scharf ihr es gerne habt)
  • 400g Mangold
  • 1 TL Meersalz
  • 2 TL braunen Zucker
  • Für die Polenta
  • 1l Wasser
  • 1 TL Meersalz
  • 125g Polenta
  • 1/2 Bund Schnittlauch
  • 1/2 Bund Petersilie (glatt)
  • Einige Zweige Majoran
  • 2 EL Olivenöl
  • Schwarzer Pfeffer
  • 1 Hand voll Pinienkerne

Zubereitung

  • Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln. Olivenöl in einen heißen Topf geben. Zwiebeln und Knoblauch zusammen mit den Chiliflocken bei mittlerer Hitze andünsten.
  • Mangold von den Stielen zupfen und die Stiele in 2 cm große Stücke schneiden und mit in den Topf geben. Bei geringer bis mittlerer Hitze 10 Minuten weiterschmoren lassen. Immer mal wieder umrühren.
  • Polenta mit dem Schneebesen in das kochende Wasser einrühren. Wasser vorher salzen und süßen. Häufig umrühren, bis die Polenta sämig wird. 10 Minuten ziehen lassen. Die Platte könnt ihr dabei sogar ausschalten.
  • Mangoldblätter hacken und zum Gemüse geben, bis sie zerfallen.
  • Die restlichen Kräuter fein hacken und unter die Polenta heben. Olivenöl unterrühren und mit Pfeffer abschmecken.
  • Die Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne leicht anbräunen lassen.
  • Ich habe die Polenta in Servierringen als Taler angerichtet und das Gemüse und die Pinienkerne darauf drapiert. Ist aber eine reine Geschmacksfrage. Zum Schluss noch etwas Olivenöl über das Ganze träufeln.
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Außer dass diese Rübenart wahnsinnig dekorativ ist, hat sie auch noch ziemlich viel Vitamin A und E, Kalium und Eisen. Eine wahre Wunderwaffe also. Und in der Kombi einfach wahnsinnig lecker. Also: Mangold essen und Becker lesen.

Eure Kiki

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