Linsen mit Spätzle – 1984

Linsen

“Solange ihr Bewusstsein nicht erwacht, werden sie niemals rebellieren, und solange sie nicht rebelliert haben, wird ihr Bewusstsein nicht erwachen können.”

KRIEG IST FRIEDEN

FREIHEIT IST SKLAVEREI

UNWISSENHEIT IST STÄRKE

 

Na? Kommt euch das wage bekannt vor? Richtig! Das sind berühmte Sätze aus 1984 von George Orwell, erschienen bei Ullstein. Der Klassiker unter den Dystopien, erschienen 1949. Beklemmend aktuell, wie ich finde. Orwell zeichnet das Bild eines allmächtigen Überwachungsstaates, der seine Bürger rund um die Uhr mit Bildschirmen überwachen lässt, die Sprache kontrolliert und jede Art von Individualität unterdrückt. “Big Brother is watching you”.

In diesem dystopischen London lebt der neununddreissigjährige Winston Smith, der im Ministerium für Wahrheit, in Neusprech “Miniwahr” genannt, arbeitet. Sein Job besteht darin in der Dokumentationsabteilung, Bücher, Zeitungsartikel und öffentliche Dokumente so umzuschreiben, dass sie der “Wahrheit” des Staates entsprechen. Doch Winston zweifelt bereits an diesen Wahrheiten. Er führt verbotenerweise Tagebuch und identifiziert sich schon lange nicht mehr mit den Parolen der Partei. Gleichzeitig hat er Angst sich zu verraten, sich eines Gedankenverbrechens schuldig zu machen und vaporisiert zu werden. Und er hat auch Angst der Einzige zu sein, der diese Gedanken hat. Spitzel lauern überall und auch die junge Frau, die ihm während des “Zweiminutenhasses”, einer täglichen Propagandaveranstaltung, bei der man die Liebe zum “Großen Bruder” und den Hass gegen den Staatsfeind Nummer 1 lautstark kundtut,  Blicke zuwirft und ihn neuerdings zu verfolgen scheint, ist bestimmt ebenfalls von der Gedankenpolizei.

Doch eines Tages begegnen sich die beiden in einem Korridor des Miniwahrs, und als die junge Frau stolpert und er sie gerade noch auffangen kann, fühlt er einen Zettel in seiner Hand. Als er ihn endlich auffalten kann, stockt ihm der Atem, denn die Botschaft, die dort zu lesen ist, lautet: “Ich liebe Dich.”

Winston und Julia treffen sich immer öfter, doch auch das ist ein Schwerverbrechen, denn Sexualität unter Parteimitgliedern darf nur der Fortpflanzung dienen und wird ohnehin bereits schrittweise durch künstliche  Befruchtung ersetzt.

Dass das Ganze nicht lange gut gehen wird, ist den beiden von vornherein klar und sie wissen, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis sie jemand denunziert und die Gedankenpolizei sie festnehmen wird.

 

“Wenn du das Geständnis meinst”, sagte sie, “das werden wir sehr wohl ablegen. Sie gestehen alle. Man kann nichts dagegen tun. Sie foltern einen.” “Ich rede nicht vom Geständnis. Ein Geständnis ist kein Verrat. Was man sagt oder tut, ist egal: nur die Gefühle zählen. Wenn sie mich dazu bringen könnten, dich nicht mehr zu lieben – das wäre wirklicher Verrat.”

 

Und so geschieht es. Julia und Winston werden festgenommen und im “Ministerium der Liebe” verhört und gefoltert. Kollege O’ Brian, den sie für ein Mitglied der Untergrundbewegung  Die Bruderschaft gehalten hatten, stellt sich als führendes Parteimitglied heraus und kümmert sich höchstpersönlich um die Umerziehung Winstons.

 

Linsen

 

Was soll ich sagen? Das Ganze geht leider nicht gut aus. Eine Dystopie, ist eine Dystopie, ist eine Dystopie. Diese totale Kontrolle der Menschen, deren Gedanken, deren Sprache, deren Gefühle, darin besteht die Macht des Staates und des großen Bruders. Hier ist 1984 leider nicht nur Fiktion, wie wir alle wissen. Und auch heute sind wir davor nicht gefeit. Hier sollte jeder wachsam bleiben.

 

“Freiheit bedeutet die Freiheit zu sagen, dass zwei und zwei vier ist. Gilt dies, ergibt sich alles übrige von selbst.”

 

Jedenfalls war mir auch nach der Lektüre irgendwie dystopisch zumute. Und dann auch noch dieses Novemberwetter. Auch wenn in 1984, Winston in der Kantine ein Eintopf, “in dessen Matsch auch rastschwammige Würfel trieben, die wahrscheinlich ein Fleischpräparat darstellten”, kredenzt wird und das Ganze nicht gerade nach kulinarischem Highlight klingt, war mir nach diesem Roman doch sehr nach Eintopf und Soulfood. Und was ist das Größte in Sachen Eintöpfen? Richtig: “Linsen mit Schbätzle und Saidewürschtle”. Und die Freiheit dazu außerdem Debreziner oder Bauchspeck zu essen.

 

Linsen mit Spätzle

Linsen mit Spätzle

Zutaten

  • 500g Linsen (hier nimmt man normalerweise "Alblinsen" oder große Linsen, geht aber auch mit Berglinsen o.ä.)
  • 2 große Zwiebeln
  • 1/2 Stange Lauch
  • 1 Karotte
  • 1 EL Tomatenmark
  • 3 EL Butter
  • 150ml Linsenkochwasser
  • 300ml Fleischbrühe
  • 4-6 EL Branntweinesseig
  • 3 Lorbeerblätter
  • Salz
  • Pfeffer
  • Pro Person: 1 paar Saiten, Bauchspeck oder Debreziner (Saiten = Wiener)
  • Für die Mehlschwitze
  • 3EL Butter
  • 2 EL Mehl
  • 200ml Linsenkochwasser
  • Für die Spätzle
  • 500g Spätzlesmehl (Pastamehl geht auch)
  • 5 Eier
  • 200ml Sodawasser
  • 2 EL Salz
  • Muskatnuss
  • Zum Schwenken der fertigen Spätzle: zerlassene Butter

Zubereitung

  • Linsen in ein Sieb geben und gut mit kaltem Wasser durchspülen. 2 Liter Wasser aufsetzen und aufkochen lassen. Danach die Linsen bei leichter Hitze für 25 Minuten bissfest garen. Linsen abgießen und Kochwasser auffangen für später.
  • Für die Mehlschwitze die Butter zerlassen und das Mehl hinzugeben. Bei hoher Temperatur dunkel anbräunen aber nicht verbrennen. Mit dem Linsenkochwasser ablöschen und mit einem Schneebesen kräftig verrühren. Beiseitestellen.
  • Gemüse in kleine Würfel schneiden. Einen großen Bräter erhitzen und die Butter darin schmelzen lassen. Zwiebeln zugeben und glasig dünsten. Karotten und Lauchstücke dazugeben und mit dem Tomatenmark unter mäßiger Hitze einige Minuten anrösten. Mehlschwitze, Linsenkochwasser und Brühe zugeben und alles gut verrühren. Dann die gekochten Linsen, die Lorbeerblätter und den Essig zugeben. Salzen und Pfeffern. Bauchspeck zugeben und 15 Minuten mitgaben lassen.
  • Parallel zum Linsenkochen könnt ihr schon einmal den Spätzlesteig ansetzen. Der muss nämlich ebenfalls 20 Minuten ziehen. Dafür das Spätzlesmehl in die Schüssel geben und die Eier hinzugeben. Mit einem langen Rührlöffel verrühren und mit etwas Salz und Muskatnuss würzen. Schluckweise das Sprudelwasser hinzugeben. Dann kommt der sportliche Teil. Der Teig wird am Besten von Hand geschlagen bis er zäh vom Löffel fällt und Blasen wirft.
  • Dann kommen die 20 Minuten Ruhezeit. Einen hohen Topf mit Wasser füllen und ordentlich salzen. Zum Kochen bringen. Ihr könnt entweder den Teig durch eine Spätzlespresse drücken oder von Hand schaben. Dafür den Teig auf ein angeschrägtes Brett über die Längsseite streifen und mit einer Teigkarte dünn ins kochende Wasser schaben. Braucht etwas Übung. Für mein Finediningbild waren die großen Spatzen gerade recht.
  • Die Würstel werden dann auch noch kurz in den Linsen mitgegart. Essig auch auf jeden Fall auf den Tisch stellen. Das ist einfach DIE besondere Note bei diesem Gericht.
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Linsen

So lecker wie ich das Gericht auch finde aber es ist nicht so einfach, es hübsch anzurichten. Daher kommt es jetzt eher minimalistisch daher – so fürs Auge. Davon wird natürlich kein Schwabe satt. Aber: Big Brother is maybe watching me.

Eure Kiki

 

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