Chili con Coniglio Infernale mit Fladenbrot – Die göttliche Komödie

Chili

“So gingen wir bis zu dem Lichtschein hin und sprachen Dinge, über die zu schweigen so schön ist, wie es dort war, sie zu sagen.”

 

Puh, da habe ich mir ja was angelacht.  Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie aus dem Manesse Verlag, ist erst vor Kurzem in dieser wunderschönen Ausgabe erschienen. Die Kollegen von Manesse haben es mir netterweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Lieben Dank dafür. Was mich da gebissen hat, mir dieses doch nicht ganz so dünne und süffig lesbareWerk von fast 1.200 Seiten (!) zu bestellen? Zum einen das wirklich gelungene Cover. Wunderschön, wie ich finde. Und zum anderen ist es doch eines von den Büchern, die man schon immer mal irgendwann lesen wollte, oder? Denn dieses epochale Werk hat seit dem 13. Jahrhundert schließlich immer wieder Schriftsteller, Bildhauer und Komponisten zu neuen Werken inspiriert.

Dante Alighieri wurde 1265 in Florenz geboren, war Dichter und Philosoph und der erste Schriftsteller, der ein solches Werk nicht in Latein sondern in Italienisch verfasst hat. Also zugänglich für die weniger Gebildeten. Wobei man sagen muss, dass damals ja ohnehin noch nicht so viele Menschen lesen konnten. Das war also ohnehin nur ein sehr illustrer Kreis. Ursprünglich hieß es auch nur “Commedia”. Erst nach seinem Tod, hat einer seiner größten Bewunderer, Giovanni Boccaccio den Titel in “Divina Commedia, “die Göttliche Komödie” umbenannt. War wohl ein wirklicher Fanboy.

Damit der nicht ganz so einfache Text heutzutage besser zu verstehen ist, gibt es in der Manesseausgabe nicht nur ein augenfreundliches Satzbild, sondern auch reichlich Kommentare und Erklärungen der Übersetzer Ida und Walther von Wartburg. Außerdem ist das Buch mit 48 Holzstichen von Gustave Doré ausgestattet. Ist also auch ein schönes Weihnachtsgeschenk. Zwinker, zwinker.

Worum geht es: Der Dichter erzählt in Ich-Form seine Reise durch die drei Totenreiche. Als Reiseführer hat er hier den römischen Dichter Vergil, den Dante sehr bewundert hat. Die drei Reiche bestehen aus dem Inferno – also der Hölle, dem Purgatorio – dem Läuterungsberg und dem Paradiso – dem Paradies. Ziel ist es Tugend zu erlangen und den rechten Weg zu finden. Das ganze Buch ist übrigens in Gesängen, also in Versform geschrieben.

Wenn ihr übrigens eine wirklich großartige Kurzfassung möchtet, kann ich euch nur Sommers Weltliteratur to go auf YouTube empfehlen. Hier wird “Die Göttliche Komödie” in 13,5 Minuten mit “Playmobilmanschgerl” von Michael Sommer, einem ehemaligen Schauspieldramaturgen zusammengefasst und nachgespielt.  Der Kanal wurde sogar 2018 mit dem “Grimme Online Award” ausgezeichnet, sehe ich gerade. Wohlverdient! 

Ich gestehe an dieser Stelle auch: Ich bin “noch nicht ganz” durch. Bei fast 1.200 Seiten möge man mir das verzeihen. Ich bin immer noch im Inferno und kämpfe mich durch die neun Kreise der Hölle (mit Vorhölle sind es zehn). So lange wollte ich aber nicht warten, bevor ich euch das Buch und das Rezept vorstelle, aber ich werde definitiv weiterlesen. Was mich übringens auch sehr beeindruckt hat, ist, dass Dante sämtliche antiken Philosophen und großen Gelehrten der Antike in eine Vorhölle verbannt hat. Da leben sie ein doch recht bequemes Leben, denn sie können ja nichts dafür, dass sie keine Christen sind. Einfach zu früh geboren.

Im ersten “richtigen” Kreis der Hölle sind dann, kurz gesagt, alle, die keinen Standpunkt vertreten. Die Übersetzer kommentieren hier:

 

“Was Dante hier schaut, das ist vor allem der Abdruck, den in der geistigen Welt die Haltung von  Menschen zurücklässt, die sich im richtigen Moment nicht zu einer Entscheidung zwischen Gut und Böse durchzuringen vermögen, die innerlich zu schwach sind, um sich entschlossen auf eine Seite zu stellen. Hundertfältig hat es Dante erfahren, dass dieses Bleigewicht der menschlichen Unentschlossenheit und der Scheu vor Verantwortung sich viel übler auswirkt als das Böse selber.”

 

Da sollte man doch gerade aktuell mal wieder genauer darüber nachdenken, gell? Im ersten Kreis der Hölle ist es nämlich dann alles andere als gemütlich.

Da ich nie damit gerechnet hätte, in der Göttlichen Komödie etwas zu Essen zu finden habe ich mich bereits vor Lektüre für ein “Chili con Coniglio Infernale” entschieden. Also ein Chili mit Kaninchen. Doch was musste ich sehen? Es hätte etwas gegeben: Honigkuchen!! Passend zur Vorweihnachtszeit. Damit wird nämlich Cerberus der Höllenhund beschwichtigt und früher wurde daher den Toten, neben dem Obolus für den Fährmann, ein Stück Honigkuchen mitgegeben. Sowas. Da das Chili aber wirklich höllisch gut ist, möchte ich euch das nicht vorenthalten. Die Honigkuchen für Cerberus kann ich ja immer noch machen.

 

“Als Cerberus uns sah, der große Wurm, riss er die Mäuler auf und fletscht’ die Hauer; kein einziges Glied an ihm, das nicht erzittert.”

 

Jetzt aber präsentiere ich das ultimative höllische Kaninchen. Ein großartiges Rezept und nicht sehr zeitaufwendig. Eine interessante Note wird hier durch die Zugabe von Espresso und dunkler Schokolade erzielt. Das Fladenbrot ist auch sehr schnell gemacht und sensationell dazu. Höllisch gut, geradezu.

 

Chili con Coniglio Inferno mit Fladenbrot

Chili con Coniglio Inferno mit Fladenbrot

Zutaten

  • 1 Kaninchen, ausgenommen und in feine Würfel geschnitten
  • 4 Lorbeerblätter
  • 12 EL Olivenöl
  • 1 große rote Zwiebel, fein gehackt.
  • 4 rote Vogelaugenchilies (oder weniger)
  • 3 TL brauner Rohrzucker
  • 4 getrocknete Chilis, zerstoßen
  • 2 TL Kreuzkümmel, zerstoßen
  • 3 Knoblauchzehen, in feine Scheiben geschnitten
  • 500ml Wildfond
  • 2 doppelte Espressi
  • 30g dunkle Schokolade (mind. 70%)
  • 1 TL Kakaopulver
  • 200g Piementos de Patron
  • Salz
  • Für 10 Fladenbrote
  • 200g Kichererbsenmehl
  • 400g Weizenmehl (550)
  • 1 TL Meersalz
  • 2 TL Backpulver
  • Getrocknete Kräuter: z.B. Tymian, Sumach, Fenchelsamen, Zhug usw.
  • 6 EL Olivenöl

Zubereitung

  • Kaninchen bereits am Vorabend aber mindestens einige Stunden vor der Zubereitung salzen. Das habe ich von Samin Nosrat gelernt und es macht wirklich einen großen geschmacklichen Unterschied. In einem großen Schmortopf 8 EL Olivenöl erhitzen (der Topf sollte schon heiß sein, bevor das Öl zugegeben wird, damit es seinen Geschmack nicht so schnell verliert). Lorbeerblätter zugeben und die Kaninchenwürfel kastanienbraun anbraten. Herausnehmen und beiseitestellen. Restliches Öl erhitzen und die Zwiebelwürfel goldgelb anbraten. Vogelaugenchilis in Ringe schneiden, Kerne entfernen und zugeben. Mit dem Zucker karamellisieren. Fleisch, Kreuzkümmel, zerstoßene Chilis, Knoblauch und Fleisch zugeben und weiter anbraten. Mit dem Fond ablöschen und bedeckt ca. 1 Stunde köcheln lassen.
  • Dann Espressi, Kakaopulver, Schokolade, und Piementos zugeben und weitere 30 Minuten simmern lassen. Deckel entfernen und eindicken lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Für die Fladenbrote alle Zutaten vermischen und zusätzlich ca. 150 ml Wasser zum Teig geben. Teig ca. 5-10 Minuten bearbeiten, bis er glatt und elastisch ist. Danach darf er für 10 Minuten entspannen. 10 Kugeln in gleicher Größe formen und mit eingeölten Händen so lange formen, tätscheln, schlagen, bis der Fladen ca. 1 cm dick ist. Immer mal wieder Mehl darauf geben. Eine beschichtete Pfanne ohne Öl erhitzen und die Fladen einige Minuten garen. Sei sollten locker aufgehen und eine leichte Bräune bekommen.
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Chili

 

Das Nachkochen bereitet euch hoffentlich keine Höllenqualen.

“Dann ging er, und ich folgt’ ihm auf dem Fuß.”

 

Eure Kiki

 

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